Die Eisheiligen ufm Rhy - Hochrhein-Wanderfahrt 2026

Radolfzell

Nach der wunderbaren Kultur-Wanderfahrt auf der Saar im vergangenen Jahr hatte unser WRW Bernhard für das diesjährige Himmelfahrts-Wochenende ein weiteres herausforderndes Ziel ausgeschrieben: Zur Wanderfahrt auf dem Hochrhein meldeten sich insgesamt 27 Teilnehmer, unter ihnen zur Abwechslung auch reine Fahrrad- und Wohnmobilfahrer und sogar ein „Nur-Landdienstler“! Es ist eben alles möglich.

Der gut 145 km lange Hochrhein führt von Stein am Rhein bis nach Basel und bildet größtenteils die Grenze zwischen Baden-Württemberg und der Schweiz. Da uns das aber nicht reichte, wollten wir ursprünglich bereits in Überlingen am Bodensee starten und über den See an der
Mainau vorbei durch Konstanz in den Untersee rudern. Unerwarteterweise taten aber dann die Eisheiligen ihrem Namen alle Ehre und das kühle und windige Wetter ließ uns den Plan revidieren und sicherheitshalber erst in Konstanz starten. Aber auch das wusste der Heilige Pankratius
(„Ich schick dir Wind und Wolken“) zu verhindern und schickte so viel Wolken und Wind, dass wir mit unseren vier Booten („Schwaben II“, „HaSen“, „Helene Biedenbach“ und „Erhard Engel“) und drei Bussen (mit Bootsanhänger, Küchenanhänger und Fahrradträger) gleich nach Radolfzell zum Ruderverein fuhren, um auf dem Zeller See zu starten, der uns bereits mit Wellen und Wind empfing.

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Boote aufriggern (sollten auf dieser Wanderfahrt noch zu unserer Meisterleistung avancieren) und ein erstes Vesper im Stehen waren schnell erledigt. Dann ging es auf den See, den wir nicht überquerten, sondern dem Ufer des Zeller Sees folgend uns langsam in Richtung Gaienhofen vorwärtsbewegten. Der Berichterstatter hatte im „Schwaben II“ leichtes Spiel, aber die anderen Boote – insbesondere der schmale „HaSen“ übernahm einiges an Wasser und die Wellen wurden im beginnenden Rhein eher höher als weniger. In Gaienhofen legten wir dann am Schloss an, wo uns eine Sport- und Ruderlehrerin des dort angesiedelten evangelischen Gymnasiums freundlich und unerwartet empfing und uns in unserer Meinung bestärkte, die Fahrt bis Stein a. Rhein nicht auf dem Wasser fortzusetzen, sondern die Boote zu verladen. Ausschlaggebend für unsere finale Entscheidung war dann das gelbe Warnlicht auf der gegenüberliegenden Seite, das weiteren Wind ankündigte – der dritte Eisheilige St. Servatius tat eben, was er konnte. Bis der Landdienst mit Bootswagen dann den Weg zu uns fand, genossen wir Kaffee und Bier auf der windgeschützten Terrasse eines nahen Biergartens. Dann folgte das Abriggern und Verladen der Boote sowie die Fahrt über die Grenze zum schweizerischen Stein am Rhein, wo wir in der Jugendherberge (!!) reserviert hatten.

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Eine etwas andere Herausforderung

Vor das Abendessen hatten die Götter aber noch eine weitere Herausforderung gestellt: Das Beziehen der Etagenbetten! Zum Abendessen servierte uns der sehr freundliche „Herbergsvater“ (mindestens 30 Jahre jünger als unser Durchschnittsalter) Spaghetti Bolognese und es gab überraschenderweise keinen Früchtetee aus Blechkannen dazu, wie man es von früher kannte, sondern man konnte Wasser, Wein oder Bier zu schweizerischen Preisen ordern. Ein Rundgang durch den wunderschönen Ort Stein am Rhein mit zahlreichen historischen Bauten prägten das Bild – die bemalten Häuserfassaden, Fachwerkhäuser, Erker und kleine Gassen sind das touristische Potential dieser Stadt und gehen bis aufs 15. Jahrhundert zurück. Die historische Bedeutung der Stadt fußt auf einer der wenigen Rheinbrücken der damaligen Zeit und noch heute beginnt hier an der Brücke die offizielle Kilometrierung des Hochrheins, die allerdings theoretischer Natur zu sein scheint, denn abgesehen von Schwörstadt fanden wir nirgendwo Kilometertafeln, wie man sie von anderen Flüssen kennt. (Kilometer "0" Alte Rheinbrücke, Konstanz  -  "25" ist Brücke Stein am Rhein - "170" Grenze Schweiz - Deutschland in Basel.)

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Abends genossen wir in der JH unsere eigenen Getränke und nach dem Frühstück, das durch eine gute Schweizer Kaffeemaschine, die nicht nur Cappuccino „ausspuckte“, aufgewertet wurde, ging’s daran, die Boote aufzuriggern und nach Überwindung der riesigen Ufersteine unterhalb der Burg Hohenklingen zu Wasser zu lassen. Die nächste Etappe war zwar noch kühl, aber wenigstens zunächst trocken – der Heilige Bonifatius („Ich bring‘ Kälte und Schneegraupel“) bereitete sich wohl noch vor, wie wir später am Tag lernten. Zunächst lernten wir jedoch Schwyzerdütsch mit Ufm Rhy | Sicher auf dem Rhein, ein Ausdruck, der uns die ganze weitere Fahrt begleitete. Mit der Karte auf der Ufm Rhy Seite, wäre uns bei der Navigation einiges erspart geblieben. Vorbei an wunderschönen, alten Ortschaften auf der nördlichen, zumeist deutschen wie auf der südlichen, immer schweizerischen Seite bewegten wir uns in der recht starken Strömung in Richtung Schaffhausen, wo wir beim dortigen Ruderclub freundlich empfangen wurden und wieder einmal unsere Boote verluden – dieses Mal zur obligatorischen Umfahrung des beeindruckenden Rheinfalls.

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Graupelschauer in fast urwaldähnlicher Umgebung

Unterhalb des in Sichtweite befindlichen Wasserfalls riggerten wir dann unsere vier Boote mit allen 32 Auslegern, also je 96 10er Muttern und 96 Unterlegscheiben, wieder einmal auf. Und weiter ging’s, nachdem wir mittels der glücklicherweise mitgeführten Wasserschuhe im kalten Wasser eingestiegen waren. Durch teilweise fast urwaldähnliche Vegetation an beiden Ufern ging es dann nach Rheinau, wo uns drei nah beieinanderliegende Wehre erwarteten, die alle mit fahrbaren Bühnen ausgestattet waren und uns dadurch das Umtragen deutlich erleichterten, um nicht zu sagen, Spaß machten. Unterhalb des imposanten Klosters Rheinau genossen wir dann unser obligatorisches Stehvesper, das Simone mit den Worten „So viel Brot und Wurst wie hier, esse ich ansonsten im ganzen Jahr nicht.“ kommentierte. In der Zwischenzeit hatte St. Bonifatius wohl Zeit gehabt, seine Waffen zu schärfen, denn wenig später wurden wir von einem eisigen Regen- und Graupelschauer überrascht, der uns mehr als eine halbe Stunde lang völlig durchnässte und eiskalt werden ließ. Die Steuerleute konnte bei dem horizontal entgegenkommenden Graupel kaum noch die Richtung erkennen. Als der Spuk dann endlich vorbei war, kamen wir in Eglisau – an das sich die Teilnehmer der Hochrhein-Fahrt von 1980 noch gerne erinnerten (Stichwort: Gurkenwasser) – durch eine schöne alte Brücke und gelangten wenig später unterhalb eines beeindruckenden Eisenbahn-Viadukts, das von zahleichen, sicherlich pünktlichen Schweizer Zügen passiert wurde, an den „Seeclub Zürich“, wo wir nach 45 km die Boote ablegten und zur allgemeinen Überraschung (und Freude) nicht abriggern mussten!

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Die Kollegen, die im Zelt bzw. auf dem Campingplatz schlafen wollten, wurden einigermaßen überrascht, da der Campingplatz und die reservierten Fässer zunächst nicht zugänglich waren und dadurch auch das Kochen verunmöglicht wurde. Glücklicherweise konnten sie noch eine Pizzeria überzeugen, sie zu versorgen. Die anderen waren im Hotel „Wasserstelz“ im nahen Hohentengen untergebracht, wo sie die herrlichen, heißen Duschen und das anschließende Abendessen SEHR genossen, wenngleich auch einige durch die begrenzten Küchenzeiten enttäuscht wurden. Der angebotene südafrikanische Cabernet Sauvignon bewirkte jedoch die Beruhigung der Gemüter.

Gemeinsam durchs „Mauseloch“

Am nächsten Morgen empfingen uns der „Seeclub Zürich“ und das Viadukt mit einem herrlichen Blick auf den grünblauen Rhein und das riesige Bauwerk, das in zahlreichen Aufnahmen festgehalten wurde. Bald nach dem Start gelangten wir an die einzige Schleuse dieser Wanderfahrt (Eglisau), wo es sogar einen „Biberausstieg“ gab. Wir mussten viel Geduld haben, bis die Bootsschleuse gefüllt war, und dann konnten alle vier Boote gleichzeitig geschleust werden. Unten öffnete sich dann nicht das übliche, breite Schleusentor, sondern eine kleine halbrunde Öffnung, durch die wir uns zwängen mussten und die wir „Mauseloch“ tauften. Vorbei an üppigem Uferbewuchs gelangten wir schließlich gegen Mittag an den Campingplatz in Lienheim, den unsere Kollegen ja bereits kennengelernt hatten. Da die vor uns liegenden „Koblenzer Lauffen“, einer Art „Rhein-Katarakt“, aufgrund des niedrigen Wasserstandes nicht befahrbar waren, mussten wir wieder einmal die Boote abriggern und verladen – trotz des einsetzenden Regens klappte das aufgrund unserer bisherigen Übungen aber doch recht flott. Mittagsvesper gab es dann (im Sitzen!) am Rande des einladenden, aber viel zu kalten Pools des Campingplatzes, der uns sogar den Service eines Trockners bot, den wir ausgiebig nutzten.

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Nach ausgiebiger Brotzeit - richtig bemerkt, ab jetzt ist ein bayerisch-stämmiger Autor am Werk – hieß es danach „Ab in die Kleintransporter“ statt „Mannschaft ans Boot“; aus besagten Gründen ging es diesmal auf vier Rädern und damit kräfteschonend zum nächsten Etappenziel Waldshut. Auch hier erforderte die enge Zufahrt zum Wassersportverein einiges Geschick, aber unsere routinierten Fahrer meisterten auch diese Hürde. Boote vom Hänger abladen, abriggern und so auf dem Vereinsgelände platzieren, dass sie den Sportbetrieb nicht behindern - man merkt: Wir werden jeden Tag besser. Danach wieder aufsitzen und ab nach Schwörstadt, wo auf dem Gelände des dortigen Wassersportvereins "Rheinstrom" erstmals die Zelte aufgestellt wurden. Gastfreundschaft wird auch hier großgeschrieben. Dankenswerterweise durften wir zum Kochen und zum Essen für den ersten Abend ein Partyzelt nutzen, auf dem tags darauf eine Geburtstagsfeier stattfinden sollte.

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Viele Schleifen und wunderbare Ausblicke

Während die eine Hälfte unserer Gruppe in Pfadfindermanier campierte, wählte die andere Hälfte die bequemere Art zu nächtigen, im rund eineinhalb Kilometer entfernten Boutiquehotel "Drei Ringe" - für zwei Nächte eine ganz ordentliche Bleibe mit gutem Frühstück. Das war auch nötig, denn am nächsten Morgen stand wieder eine lange Etappe auf dem Programm, laut Fahrtenbeschreibung 35 Fluss-Kilometer. Mit den Bussen ging's zurück nach Waldshut, wo wir die bereits aufgerüsteten Boote nur noch zu Wasser lassen mussten. Der Wettergott war uns an diesem Tag hold, so konnten wir die Fahrt in herrlicher Flusslandschaft und oftmals auch bei Sonnenschein in vollen Zügen genießen. Kaum vier Kilometer nach dem Start der erste Halt vor dem Stauwehr des Kraftwerks Albbruck-Dogern. Mit einem bereitstehenden Bootswagen ließ sich die Rampe problemlos passieren. Die Boote im Unterwasser wieder einsetzen, und weiter ging die Tour Schleife um Schleife für rund zehn Kilometer ohne Hindernisse, dafür mit wunderbaren Ausblicken.

Ein Highlight war dabei die malerische Zwillingsstadt Laufenburg, auf der einen Seite die Schweiz (Kanton Aargau), auf der anderen Seite Deutschland (Baden). Wahrlich eine Perle des Hochrheins! Für historisch Interessierte: Die Teilung der ehemals geeinten Stadt erfolgte im Jahr 1801 durch Napoleon. Wenig später der nächste Stopp vor dem Kraftwerk Laufenburg. Dort mussten wir unsere Boote mit den eigenen Wagen mehrere hundert Meter bis zu einem Schrägaufzug transportieren, der uns dann zum Unterwasser brachte. Doch zuvor war eine Stärkung fällig. Kaum angekommen, war auch der Landdienst zur Stelle und versorgte uns mit einer deftigen Brotzeit, die wir bei strahlendem Sonnenschein genießen durften. Kurz vor Bad Säckingen, bekannt durch das Versepos "Der Trompeter von Säckingen", mussten wir die Boote ein weiteres Mal umsetzen, zur Abwechslung mal ganz komfortabel mit einem selbstbedienten Gleiswagen.

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Wir waren noch kaum wieder richtig in Schwung, hieß es "Ruder halt" - die längste gedeckte Holzbrücke Europas, die Bad Säckingen mit der Schweiz verbindet, kann man nicht passieren, ohne ein Foto zu machen. Dann wurde aber wieder Fahrt aufgenommen Richtung Tagesziel Schwörstadt, das wir so zeitig erreichten, dass wir vor dem Duschen noch leckeren Kuchen genießen konnten, der bei der Geburtstagsfeier auf dem WSV-Gelände übrig geblieben war. So schön das weinselige Zusammensein nach dem Abendessen auch war, irgendwann wurde es temperaturmäßig ganz schön ungemütlich. Und einige, die sich schon am Tag zuvor entschlossen hatten, lieber im Hotel zu nächtigen, sollten ihre Entscheidung nicht bereuen.

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Am letzten Tag wie ursprünglich vorgesehen bis Basel rudern? Dieser Plan wurde mit Blick auf die möglicherweise staubehinderte Heimfahrt einvernehmlich verworfen. Aber auch die gemütlichere Variante – von unserem Campingplatz bis kurz vor das Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt und dann noch einige Kilometer flussaufwärts Richtung Bad Säckingen, was in etwa einem Dienstags-Trainingspensum entspricht – brachte nochmal viel Ruderspaß. Zum Glück hielt sich der Verkehr auf der Heimfahrt in Grenzen, so dass wir kurz vor 17.45 Uhr wohlbehalten wieder zurück auf dem RVE-Gelände in Esslingen waren. Abriggern, alles wieder im Bootshaus verstauen, die Mietwagen säubern - nach so viel Übung lief das so flott, dass wir uns keine zwei Stunden später schon, glücklich über so viel gemeinsam Erlebtes, voneinander verabschieden konnten.

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 Lob für die vielen verlässlichen Helfer

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Ein dickes Lob haben sich viele verdient, ohne deren Mitwirken die ganze Tour nicht möglich gewesen wäre. Zuvorderst zu nennen ist Wanderuderwart Bernhard, der wie immer Unmengen an Zeit geopfert hat, um die Fahrt zu organisieren, und vorab sogar die Aufenthaltsorte für eine Inspektion besucht hat. Nur wer dabei gewesen ist, kann den riesigen Aufwand ermessen. Wenn dann das eine oder andere nicht ganz so rund läuft, muss man ihm das einfach nachsehen. Bernhard verstand es auch, mit seiner abendlichen Tagesrückschau so manche Missstimmung mit versöhnlichen Worten wieder einzufangen. Zu großem Dank verpflichtet sind wir Janas Mann Marc, der freiwillig jeden Tag Landdienst machte und für uns alle, egal, welche Aufgaben zu bewältigen waren, ein verlässlicher und zupackender Ruhepol war. Danke auch an die Köche Wolfram (Tortellini mit Pilzsoße) und Albrecht (Chili sin carne), die uns trotz Kantinen-Rationen zwei Mal ein leckeres Abendessen zubereitet haben. Nicht zu vergessen Kassenwartin Doris, die Unmengen von Kassenzettel von den täglichen Besorgungen sammelte, Buch darüber führte und jetzt für die Endabrechnung alles säuberlich auseinanderklamüsern muss.

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Ob es ein nächstes Mal gibt? Klare Antwort: Ganz bestimmt. Dann aber mit einer Portion mehr Gelassenheit und einer Tageszeitung im Gepäck. Denn wenn, wie es scheint, der frühe Termin in Stein gemeißelt ist, muss man stets mit einer Wetter-Kombination von Regen und Kälte rechnen. Da kann Zeitungspapier beim Trocknen tropfnasser Schuhe gute Dienste leisten.

Olaf Remmers und Harald Flößer

und noch viele weitere Fotos im Fotoalbum