HaSen treffen sich auf der Schwäbischen Alb zu Kultur, Gänsebraten und Wanderung

Pünktlich zum Beginn des meteorologischen Winteranfangs am 1. Dezember treffen sich 24 HaSen mit Partnern bei herrlichem Sonnenschein und winterlichen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt auf der Schwäbischen Alb in Lenningen beim "Schlössle", oberhalb des Flüsschens Lauter. Mit von der Partie sind die beiden fast neunzigjährigen Manfred Strutz und Klaus Berkemer! Obwohl heute der "museumsferne" Montag ist, hat Andreas es erreicht, dass das hier beheimatete "Museum für Papier- und Buchkunst" nicht nur für uns öffnet, sondern sogar zwei Damen abgestellt hat, die uns - jede auf ihre Art – an einer äußerst interessanten Führung teilhaben lassen.
In Lenningen war bekanntlich seit Mitte des 19. Jahrhunderts die berühmte "Papierfabrik Scheufelen" beheimatet, die leider im Jahre 2018 endgültig insolvent ging, nachdem zuvor mehrfach ein Neustart versucht worden war. In guten Zeiten, die Scheufelen im 19. und 20. Jahrhundert häufig und immer wieder erlebte, wurden Kunstwerke gesammelt, die auf und mit Papier von Scheufelen erschaffen wurden und die schließlich der "Förderkreis Schlössle" erwarb und dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt: www.kultur-im-schlössle.de.

Zunächst werden wir mit der Geschichte des "Schlössles" bekannt gemacht, das ein reicher Cannstatter Adeliger im 16. Jahrhundert für seinen Sohn erbaute und das sogar über zwei Plumpsklosetts verfügte, was in der damaligen Zeit wohl eine Sensation war. Außerdem war das Gebäude durch außenliegende, hochziehbare Fensterläden gegen Wind und Schnee geschützt – ebenfalls eine Seltenheit, wie wir lernen dürfen. Leider kam das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte sehr herunter, bis schließlich im Jahr 1983 (!) nur noch mehrere sehr arme Familien in kleinen Zimmern ohne Sanitäreinrichtung hier lebten und dann ausquartiert wurden, um das Gebäude durch eine grundlegende Renovierung zu retten und in den heutigen Zustand zu versetzen. Das ist meisterhaft gelungen und wir sind überrascht, dass uns keine eisige Kälte, sondern angenehme Temperaturen im Innern erwarten.

Nachdem wir mit der Geschichte des örtlichen Pfarrers Julius von Jan, der einer der wenigen Vertreter des christlichen Widerstands gegen die antisemitische Politik der Nazis war und über die Geschichte der Papierfabrik Scheufelen, die bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts ein sehr sozialer Arbeitgeber war, der sich für die Sicherheit und Wohnbedingungen seiner Arbeiter einsetzte, informiert sind, werden uns die ausgestellten Papier-Kunstwerke nähergebracht. "Bücher, die man nicht lesen kann und Papier, das man nicht beschreiben kann" – unter diesem Thema zeigen verschiedene Künstler ihre Werke, in denen sie sich mit der Materie Buch und Papier auseinandersetzen. Eine äußerst interessante Ausstellung, die jedes Jahr mit temporären Präsentationen ergänzt wird.
Nach so viel Kultur, geht es dann zu Profanerem über: Wir haben im nahen Ort Schlattstall im "Hirschen" ein schmackhaftes Gänsemenü bestellt, das wir uns im reservierten Nebenzimmer der wunderschönen, traditionellen Wirtschaft schmecken lassen. Der Wirt hat wirklich alles voll im Griff und bedient uns in Perfektion. Der Gänsebraten und die umfangreichen Beilagen inklusive dreier verschiedenen Knödel munden allen sehr gut. Und die wenigen von uns, die auf Gänsebraten verzichten, bekommen anderen Köstlichkeiten aus der Speisekarte. Der bekannte schwäbische Koch und Philosoph Vincent Klink ("Wielandshöhe") beschreibt in seinem neuesten Buch "Mein Schwaben" den Schlattsteller Hirschen folgendermaßen: "Durch einen Windfang geschritten, steht man in einem geschmackvollen, gediegenen Interieur. Eichenvertäfelung ohne knarzende, anbiedernde Rustikalität, weiße Wände mit Landschaftsgemälden, solides Gestühl, weiße Leinenvorhänge, gestärkte Tischtücher."… "Der (Saalchef) Herr Stümpfle und der Koch Stefan Finger haben klassische Gastgeberschaft und Küche noch richtig gelernt, und so schmeckt auch das Essen in der heimeligen Stube."

Nach dem Genuss des wunderbaren Essens scheint immer noch die Sonne und wir fahren über die Grabenstetter Steige und Erkenbrechtsweiler zum Wanderparkplatz "Bassgeige". Trotz der kühlen Temperaturen hier oben, machen wir im Sonnenschein eine kleine (gegenüber dem ursprünglichen Plan abgekürzte) Wanderung zum "Beurener Fels", der auf 715 müM direkt am Albtrauf einen herrlichen Blick über Beuren, den Hohenneuffen und bis hin zu den uns sattsam bekannten Kaminen des Altbacher Kraftwerks erlaubt. Auf dem Rückweg zu den Autos ist es zwar recht windig, aber die Energie des Gänsebratens hält noch vor, so dass keiner zu Schaden kommt.
Herzlichen Dank an Andreas für seine Organisation dieses schönen Tages. Wie wir festgestellt haben, gibt es in der Nähe noch zahlreiche andere Highlights wie die Sinterterrassen, das Donntal oder das nahe Keltenmuseum, so dass wir die nächstjährigen Gänseessen im "Hirschen" wiederum mit Kultur und Sport werden verbinden können.
Bericht: O. Remmers
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