51. Trimmfahrt auf der Mecklenburger Seenplatte im September 2026

Trimmfahrt-Teilnehmer sind tatsächlich vernünftiger geworden: Anstatt uns selbst eine Nachtfahrt - wie so häufig in der Vergangenheit - anzutun, fahren wir Samstagmorgen in aller Frühe ohne allen Stress im RVE los, nachdem wir die Boote bereits am Vortag verladen hatten. Und die Vernunft geht sogar noch weiter: Anstelle von Übernachtungen auf eiskalten Liegen in Zelten und sehr zeitaufwendigen Zeltauf- und -abbauten haben wir dieses Jahr zwei Häuser im „Ferienpark Mirow“ angemietet, da die geplanten Seetouren auf der Mecklenburger Seenplatte diese feste Location sehr begünstigen.
So starten wir also am Samstagmorgen mit einem gemieteten Sprinter mit acht Insassen und viel Gepäck sowie einem Opel-PKW der Stadtmobile, der den Bootswagen zieht, in Richtung Würzburg und Schweinfurt. Der erste Stopp folgt im Schatten des Rennsteigs in Thüringen und dann geht's weiter an Leipzig und Berlin vorbei durch Sachsen-Anhalt, das uns nur einen Tag später mit einem in unseren Augen fürchterlichen Wahlergebnis schocken wird, in den Süden von Mecklenburg-Vorpommern, wo wir nach 770 km ohne großen Stau in unserem Ferienpark ankommen und mit drei weiblichen und neun männlichen Teilnehmern die Zimmerverteilung vornehmen.

Unser Haus im Ferienpark Granzow
Wir, das sind zwölf Teilnehmer, nämlich Doris Eberspächer, Irmgard Klopp, Elke Maschkiwitz, Hans-Jürgen Eberhard, Bernhard Freisler, Manfred Gietz, Harald Günther, Albrecht Hannig, Achim Lempart, Olaf Remmers, Ralf Stürner und Ralf Stybalkowski.
Gruppenbild aller Teilnehmer vor dem Mirower Schloss
Später riggern wir die Boote im leichten Regen direkt am nahen See "Granzower Möschen" auf und genießen zum Abendessen die in der Pfanne gebratenen Würste, da das Wetter nicht gerade zum Grillen einlädt. Dazu stellen wir zwei große Tische im Wohnzimmer nebeneinander auf, so dass alle zwölf Teilnehmer an der langen Tafel gemeinsam gut sitzen, essen und sich unterhalten können. So werden wir es die folgenden Tage auch halten.

Boote aufriggern auf dem Gelände des Ferienparks Mirow
Sonntag, 6.9.2026 41 km
Rätzsee-Umfahrt
mit Vilzsee und Zehntner See
Zotzensee - Mössensee - Vilzsee - Gobenowsee - Rätzsee
Morgens lässt sich das Wetter schon ganz gut an und wir laufen mit Sack und Pack, d.h. incl. Rettungswesten, Verpflegung, Stechpaddel u.v.a.m. zum relativ nahen "Strand" und starten zunächst in Wasserschuhen zur ersten Tour. Über den Granzower Möschen und den Mirower See rudern wir an der kleinen Stadt Mirow mit Ruderverein, Brauerei, Schloss und großer Kirche vorbei. Die Stadt Mirow hat Bernhard übrigens in seinem Bericht der Trimmfahrt 2022 bereits sehr kenntnisreich und launig beschrieben, worauf hiermit hingewiesen und zur Lektüre empfohlen sei. Sodann geht's in den ersten Kanal, der von zahlreichen, etwas lädierten "Datschen" begrenzt wird, zum Zotzensee und über den langgestreckten Vilzsee bis wir zur Schleuse "Diemitz" gelangen, wo uns ein sehr freundlicher (!) Schleusenwärter flott schleust. Nach dem Labussee gelangen wir dann über den kanalartigen Drossedower Bek in den motorbootfreien Rätzsee, dem Namensgeber unserer heutigen Tour. An dessen Ende gelangen wir im Sonnenschein zur Fleether Mühle, wo wir die Höhendifferenz mittels Umtragens überwinden und unser mitgebrachtes Vesper zum hier erstandenen Bier verzehren.

Umtragen vor der Fleether Mühle
Am Nachmittag geht es dann die uns bereits bekannte Strecke über Vilz-, Zotzen- und Mirower See zurück an „unseren Strand“. Am Abend genießen wir das unter Albrechts Federführung entstandene Bœf Stroganoff mit einem herrlichen Salat zu französischen Rotweinen.

Das Warten auf Bœf Stroganoff
Montag, 7.9. 37 km
Müritz-Umfahrt
Müritz-Havel- Wasserstraße - Müritz - Caarpsee - Woterfitzsee - Lepinsee - Großer Kotzowersee
Heute biegen wir kurz nach Mirow in den Mirower Kanal ab. Nach der nahen Schleuse, in der wir die einzigen und minimalen Regentropfen der gesamten Wanderfahrt abbekommen, haben wir eine recht lange Strecke auf dem schönen Kanal zu rudern, wobei uns zahlreiche Hausboote begegnen und deren Passagiere uns fast immer freundlich zuwinken.
Dann gelangen wir in die etwas verwirrenden, südlichen Ausläufer des riesigen Müritzsees (112 km²), des nach dem Bodensee (534 km²) zweitgrößten Sees Deutschlands. Hier empfangen uns schon ganz bald nicht unerhebliche Wellen trotz des herrschenden Sonnenscheins. Vorbei an nicht ganz eindeutigen rot-weißen Bojen rudern wir mehr oder weniger parallel zum Ufer bis zur nur schwer erkennbaren Ausfahrt des Bolter Kanals. Hier macht der Berichterstatter ungewollte Bekanntschaft mit dem unangenehm modrigen Wasser und wird dankenswerterweise von zwei kräftigen Kameraden wieder herausgezogen. Auf dem Anleger des Naturhafens genießen wir wieder unser mitgebrachtes Vesper nebst kaltem Bier.

Morgendlicher Start am Granzow See
Durch wunderschöne und sehr enge Kanäle geht's dann zur Umtragestelle, an der Elke sich leider stark am Finger verletzt und anschließend unfreiwillig auf den Steuerplatz wechseln muss. Dann haben wir noch eine anstrengende Tour durch den Woterfitz- und andere Seen vor uns, die teilweise in Naturparks liegen und angenehmerweise für motorisierte Boote verboten sind. Außerdem sind die Seen hier sehr stark mit Seerosen bewachsen, wo jetzt am Nachmittag viele, wunderschöne Blüten aufgehen.

Wunderschöne Kanäle nach dem Bolter Kanal
Recht spät kommen wir dann an „unseren Strand“ und kehren zurück in unser Häusle, wo Albrecht mit einigen Unterstützern wieder ein schmackhaftes Mahl in Form von Spaghetti Bolognese präpariert, das wir schließlich um 22 Uhr zu uns nehmen und mit einem guten französischen Rotwein genießen.
Dienstag, 8.9. 41 km
nach Wesenberg
Zotzensee - Mössensee - Vilzsee - Labussee - Großer Priepertsee - Obere Havel-Wasserstrasse- Woblitzsee
Ähnlich wie vorgestern rudern wir heute zunächst zur Schleuse "Diemitz", dann aber durch den südlichen Ausgang des Labussee, um von hier weiter nördlich zum Großen Piepertsee und Ellbogensee zu gelangen. Nach der Schleuse „Canow“ hat zumindest das Boot des Berichterstatters das Glück, auf ein Verpflegungsboot zu stoßen ("Wasser-Kiosk No. 1, Das TV.Original"), dessen Umsatz wir mit dem Kauf von Kuchen und Bier nicht unwesentlich steigern, obwohl die Fischbrötchen leider schon aus sind. Über die Obere Havelwasserstraße kommen wir durch herrliche Abschnitte des Ellbogensees, wo wir am Campingplatz „Havelperle“ Mittag machen und schließlich die Schleuse „Wesenberg“ gerade noch zur letzten Schleusung des Tages erreichen. Im nahen Woblitzsee haben wir mittlere Orientierungsschwierigkeiten bis wir endlich den Kanuverein Wesenberg finden und dort anlegen.

In der Canower Schleuse Mittagsrast auf dem Campingplatz „Havelperle“ am Ellbogensee
Aufgrund des niedrigen Wasserstandes (ca. 40 cm tiefer als normalerweise) müssen wir im Schlamm aussteigen und unsere Boote bergen. Die gleichzeitig startende Mannschaft eines Drachenbootes demonstriert uns, dass das hier wohl normal ist. Wir genießen einen eindrucksvollen Sonnenuntergang am See, bis unsere Fahrzeuge bereit sind, uns in unseren Ferienpark zurückzubringen, wo es heute einen bzw. mehrere sehr schmackhafte Coq au Vin gibt, die alle begeistern! Nochmal ein Dank an Albrecht und seine Helfer! Bier und Rotwein erlauben uns dann, die erforderliche Bettschwere zu erreichen, um wiederum eine gute Nacht verbringen zu können.

Ankunft am Kanuclub Wesenberg
Mittwoch, 9.9. 37 km
Wesenberg - Neustrelitz - Wesenberg
Woblitzsee - Kammerkanal - Zierkersee
Nach einem guten Frühstück mit herrlichen Brötchen und Croissants der Bäckerei in Mirow, die Ralf Stürner wie jeden Morgen besorgt, fahren wir dann mit unseren Fahrzeugen nach Wesenberg und bringen die Boote durch den Schlamm zu Wasser, um durch den wellenreichen Woblitzsee und die schmale Havel zum Großen Labussee zu rudern. Hier machen wir eine Seerunde und zurück geht's über die Havel zur nahen Ausfahrt auf den „Kammerkanal“. Dieser führt uns über die Schleuse „Voßwinkel“ in den Zierker See, wo uns ein unerwartet starker Seegang überrascht. Durch diesen kämpfen wir uns nach Neustrelitz, wo wir am dortigen Ruderverein unser obligatorisches Vesper einnehmen. In dem Verein gibt es überraschenderweise noch wunderschöne und sehr gepflegte, geklinkerte Boote, die noch häufig genutzt werden.

Auf dem Woblitzsee mit Datschen im Hintergrund
Die gleiche Strecke rudern wir dann zurück nach Wesenberg, wo wir wiederum im Schlamm des Kanuclubs an- und unsere Boote ablegen. Abends werden wir mit einer Mecklenburger Räucherfischplatte überrascht, zu deren Begleitung wir Weißwein und Eiswürfel beschaffen - letztere, um sie in einem zum Sektkühler umfunktionierten Kochtopf zur Kühlung zu nutzen.
Mecklenburger Fischplatte zum Abendessen
Donnerstag, 10.9. 41 km
Wesenberg - Granzow
Woblitzsee - Obere Havel-Wasserstrasse - Großer Priepertsee - Labussee - Vilzsee - Mössensee - Zotzensee
Mit dem lokalen Rufbus bringt uns dann ein sehr freundlicher Fahrer nach Wesenberg und wir haben die Rückfahrt des vorgestrigen Tages vor uns. Insbesondere genießen wir die gedeckte Holzbrücke und den Ellbogensee mit seinen idyllischen Windungen. Leider müssen wir dann vor der Schleuse "Canow" über eine Stunde warten, bis wir endlich geschleust werden, die wir allerdings im angenehmen Sonnenschein verbringen können. Wenig später machen wir Mittag in einem Fischlokal, wo wir "Fisch-Soljanka" und frische Fischbrötchen genießen, die hier zum Glück nicht ausverkauft sind. Zuvor hatte uns unser Steuermann aufgrund des Windes ins Schilf bugsiert, aus dem wir nur dank der Aktion eines hilfsbereiten Motorbootfahrers wieder herausgezogen werden konnten.
Nachmittagsrast 'Beim Fischer' in Canow
Bei Sonne, Wind und Wellen geht's dann noch die ganze, bekannte Strecke weiter an Mirow vorbei bei zu unserem "heimatlichen Strand". Nach dem Abendessen, mit einem sehr gelungenen Geschnetzelten mitsamt Spirelli-Nudeln gehen wir heute ausnahmsweise früher zu Bett.
Freitag, 11.9. 23/25 km
"zu den Seerosen
Granzower Möschen - Großer Kotzower See - Leppinsee - Woterfiztzsee
Heute Vormittag machen wir eine etwas leistungs-reduzierte Tour in den nördlichen Seerosen-Seen, wo wir am zweiten Tag auch bereits waren und heute herrliche Bilder der zahlreichen Seerosen aufnehmen können. Mittag machen wir auf der sogenannten „Liebesinsel“ vor dem Mirower Schloss, wo 1918 mit Adolf Friedrich VI. der letzte Vertreter des Geschlechts derer von Mecklenburg-Strelitz begraben wurde. Hierüber lernen wir dann einiges beim anschließenden Besuch des Mirower Schlosses.
Auf dem motorbootfreien Woterfitzsee
Ich möchte zukünftigen Besuchern die Spannung nicht nehmen und mich daher auf folgendes beschränken: Im 18. Jahrhundert gab es zwei rivalisierende Mecklenburger Adelsgeschlechter, die sich die Herrschaft schließlich aufteilten in Mecklenburg- Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Letzteres wechselte, nachdem das Schloss in Strelitz abgebrannt war und dort später Neustrelitz errichtet wurde, in die Kleinstadt Mirow, wo sie wohl ein sehr volksnahes und einfaches Leben führten. Das veranlasste Friedrich den Großen, nach einem Besuch, die aus seiner Sicht einfache Familie als „Mirokesen“ zu bezeichnen. Auch der Mecklenburger Mundart-Dichter Fritz Reuter trieb seinen Spaß mit der Familie und bezeichnete den Herrscher Adolf Friedrich IV. als „Dörchläuchting“, eine Verballhornung des Adelsprädikats Durchlaucht und wählte es als Titel eines seinerzeit recht erfolgreichen Buches. Interessant ist auch, dass eine Tochter des Hauses -Charlotte - vom englischen King George III., der aus dem Hannoveraner Haus stammte, als Ehefrau ausgewählt wurde und Ende des 18. Jahrhunderts über Jahrzehnte eine beliebte englische Königin und die Großmutter von Queen Victoria war.
Im Jahre 1773 erhielt der Leiter des Botanischen Gartens von London Joseph Banks Samen einer bis dahin unbekannten Art von Blumen. Diese wurden zu Ehren der britischen Königin Sophie Charlotte, der geborenen Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz und Gemahlin Königs Georg III., "Strelitzien" benannt. Die Erstbeschreibung der Gattung Strelitzia erfolgte 1789 durch William Aiton und so heißen diese auffälligen Blumen noch heute, bekannt auch als Paradiesvogelblume.
Damit genug der alten Geschichten - alles Andere kann der Interessierte direkt im wunderschön restaurierten Mirower Schloss bei einem Besuch erfahren.
Seerosen auf dem Großen Kotzower See
Nach der letzten kurzen Fahrt mit den Booten reinigen wir diese mit dem klaren Wasser des Sees sehr gründlich und packen anschließend den Bootswagen mit allen drei Booten, der „Helene Biedenbach“, dem „Schwaben II“ und dem „Staffelsteiger“, von dem noch nachzutragen wäre, dass er als Zweier ohne Stm. in den ersten Tagen sehr herausfordernd zu rudern war und deshalb dann als Zweier mit Stm. gerudert wurde, so dass aufgrund unserer zwölf Teilnehmer und der 13 Ruderplätze immer ein Ruderplatz in der „Helene“ freibleiben musste. Übrigens haben wir die gesamte Wanderfahrt mit insgesamt rund 220 km ohne einen einzigen Landdienst durchgeführt – möglicherweise ein Novum – auf jeden Fall nachahmenswert.
Mittagsrast auf der Mirower Liebesinsel
Am letzten Abend lassen wir uns in einem Restaurant bedienen, um unsere fleißigen Köche wenigstens einmal zu entlasten. Am heutigen Freitag ist hier trotz der Nebensaison viel los, da zahlreiche Wochenend-Besucher aus dem nicht fernen Berlin angereist sind. Dank intensiver Bemühungen war es Irmgard schließlich im dritten Restaurant gelungen, einen Tisch für uns zwölf Personen zu reservieren und eine resolut-freundliche Bedienung versorgt uns jetzt mit Fisch- und anderen Gerichten recht gut. Zum Abschluss vernichten wir - zu Hause - unsere verbliebenen Weinbestände.
Samstag, 12.9. 770 km
Mirow - Werder - Esslingen
Das restaurierte Mirower Schloss
Am letzten Tag stehen wir schon sehr früh auf, richten unsere beiden Häuser besenrein, packen und verladen das Gepäck und starten dann nach einer halbstündigen Verzögerung aufgrund der samstäglichen Öffnungszeiten der Rezeption in Richtung Esslingen. Elke liefern wir unterwegs in Werder an der Havel (bei Berlin) ab, da sie dort einer weiteren ruderischen Herausforderung entgegensieht.
Zum Schluss Boote putzen
Wir anderen fahren mit einem Vesper-Stopp an der Raststätte „Thüringer Wald“ schnurstracks nach Esslingen durch, wo wir trotz des Ferienendes in Bayern und Baden-Württemberg ohne Stau ankommen. Nach dem Abladen und Aufriggern der Boote verabschieden wir uns mit einem ganz herzlichen „Dankeschön“ an den Fahrtenleiter Stibi und seinen Stellvertreter Hans-Jürgen, die beide wieder in vorbildlicher Weise die Fahrt mehrfach geplant (erst Po, dann Berlin, schließlich Mecklenburg) und geleitet haben sowie alle anderen Helfer, von denen wir stellvertretend Kassenwartin Doris, Pickhaken-Wart Manfred, Busbesorger Bernhard und Schwimmwesten-Wart Harald nennen wollen, die alle zum Gelingen dieser 51. Trimmfahrt (!!) beigetragen haben. Und etwas ganz Besonderes sei zu guter Letzt auch noch hervorgehoben: Mit Manfred Gietz hatten wir in diesem Jahr den ältesten Teilnehmer aller bisherigen Trimmfahrten dabei, der mit 82 Jahren nicht nur alle Etappen voll mitgerudert hat, sondern an einigen Tagen nicht einmal gesteuert, sondern alles gerudert hat! Manfred, wir freuen uns, wenn Du im nächsten Jahr auch wieder dabei sein kannst!
Bilder: Olaf Remmers und noch mehr im Fotoalbum
Bericht: O. Remmers (ohne KI)














