Was bewegt 19 Männer zwischen 40 und 75 Jahren über eine Woche Ruderwanderfahrten zu unternehmen und das schon zum 30. Mal? Ist es, eine schöne Landschaft zu erkunden, das Erlebnis in der Gruppe ohne Hierarchien, die Befreiung vom Alltag, die Romantik im Zelt und Essenfassen aus dem Hordentopf. Ist es, das befreiende Männerlachen, das raue Flachsen, ohne zu verletzen. Es ist von jedem ein wenig und in Summe eine Möglichkeit der Selbstverwirklichung.

19 Männer bedeuten normalerweise viele Meinungen. Doch auf einer Wanderfahrt ist es anders. Im Laufe der Jahre haben sich Spezialisten für die wichtigsten Aufgaben herausgebildet, wie Küche, Verladen, Fahrzeuge oder Zeltausrüstung. Diesen Vorarbeitern wird zugearbeitet ohne murren und wenn doch, dann verhalten, jeder packt an, so dass die Aufgaben in kürzester Zeit ohne Diskussionen erledigt werden. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass jeden morgen Feldbetten, Zelte, Bänke, Tische und Gepäck in rund einer Stunde in Bootsanhänger, Küchenanhänger und Kleinbussen verstaut sind, grenzt das an Perfektion.

19 Männer machten sich auf die 250 km lange Rudertour auf der Moldau von Tyn über Prag bis Leitmeritz an der Elbe. Vorangestellt wurde eine 35 km Reise auf dem Lipno Stausee. Am späten Abend starteten wir bei unserem Bootshaus. Gegen 3 Uhr morgens war das Fahrtziel erreicht. Feldbetten heraus und schlafen im Freien bei 6 Grad bis zum Morgengrauen, Boote aufriggern, frühstücken und Abfahrt in die Landschaft des Böhmerwaldes ähnlich dem Voralpengebiet, gekrönt durch den schön gelegenen Stausee. Die Fahrt wird in den nächsten Tagen über den Orlik- und Slapy Staussee fortgesetzt. Am Ende aller 3 Stauseen sind jeweils große bis zu 100 m hohe Staumauern gebaut worden, die die Voraussetzung für eine ausgiebige Energieerzeugung bilden. Eine Staumauer wurde von uns durch Umtragen der Boote , die andere mit einem Schrägaufzug überwunden. Auf letzteren fuhren wir mit den Booten auf ein Stahlgerüst, die Boote wurden angehoben, so dass wir aussteigen konnten und dann begann die abenteuerliche Fahrt. Der Gesamthöhenunterschied beträgt vom Lipno 850 m bis zum Ziel 150 m, somit 700 m. Hierzu waren zusätzlich 15 Schleusen zu passieren, darunter eine Schleuse mit einem Hub von 16 m.

Die uns begleitende Landschaft war sehr reizvoll. Wir sind der Meinung dass die Sicht von der Wasserseite nicht zu übertreffen ist. Bewaldete Hänge und Steilküsten, unterbrochen von Wiesen und seichten Badestellen, bestimmten das Bild. Die Gegend ist nicht stark besiedelt, umso mehr sahen wir Wochenendhäuser und Hausboote dazu eine große Anzahl Campingplätze. Wir waren schon vor der Wende auf der Moldau. Die Ausstattung der Plätze hat sich merklich gebessert. Die Sanitäranlagen zeigten den größten Fortschritt. Der Fluss ist so sauber, dass wir das Duschen durch Baden ersetzen konnten.

Aufgrund des niedrigen Preisniveaus erlaubte es unsere Kasse öfter Essen zu gehen. Die Bierwährung beträgt: eine halbe Maß für einen Euro. Wir haben die Knödel genossen und dem guten Bier reichlich zugesprochen. Vergessen soll nicht sein, dass uns unsere Küchenmannschaft bestens versorgt hat. Schmackhafte Fleisch- und Nudelgerichte mit knoblauchstrotzenden Salaten, dazu reichhaltige Frühstücks- und Mittagsbuffets wechselten sich ab.

An Sehenswürdigkeiten hat uns das Stadtbild von Ceský Krumlov (Krumau - UNESCO Weltkulturerbe, Venedig an der Moldau) z. T. aus dem Mittelalter mit seiner herrlichen Lage an der Moldau und natürlich Prag mit der Innenstadt, dem Hradschin mit Sankt-Veits-Dom, Altstädter Ring, Prager Neustadt mit dem Karlsplatz und Wenzelsplatz beeindruckt. Die für Ruderer weiten Fußwege wurden durch das Versprechen erleichtert, Schwarzbier im u` Flecku zu bekommen. Prag hat eine Restaurierung hinter sich, die hervorragend ist. Die herrlichen Renaissance- Häuser werden uns in Erinnerung bleiben.
Das Zurücklegen von 40 – 50 Ruderkilometern pro Tag ist an sich gut zu bewältigen. Bei einer Gesamtlänge der Ruderfahrt von 280 km schleichen sich einige Beschwerden ein. Verstärkt wird dies, dass der Tag bereits gegen 6.30 Uhr beginnt und das Tagesziel selten vor 18.00 Uhr erreicht wird. Mit Voranschreiten der Fahrt äußert sich diese Beschwerden durch Bemerkungen, wie, welche Entfernung ist es noch bis zur nächsten Rast, wann wird der Steuermann ausgewechselt, ich könnte auch mal Landdienst machen, wo bleibt die Steinkühlerpause. Nach Überwinden der Tagesetappe sind die Beschwernisse jedoch vergessen.

Neben Campingplätzen übernachten wir auch in den Bootshäusern von Rudervereinen. Hervorzuheben ist der Aufenthalt in Prag, wo wir zu Gast beim Ruderclub Blesk- (Blitz) Prag waren. Ein über 125 Jahre alter Verein von Deutschen gegründet. Der Ruderbetrieb mit über 40 Leistungsruderern beeindruckte uns sehr.
Eine der schönsten Fahrten ist bei bestem Wetter zu Ende gegangen. Wir haben eine beeindruckende, ruhige Landschaft und schöne Städte kennen gelernt. Für uns lärmgeplagte Ruderer, deren Hausstrecke entlang der B 10 verläuft, die reinste Erholung. Die Planungen für das nächste Jahr mit einem neuen Ziel sind bereits in Vorbereitung.
M. Strutz