Von Beate Wockenfuß
Esslingen - Es ist 8,20 Meter lang, 14 Kilogramm schwer - und das tägliche
Arbeitsmittel von Florian Eberhardt. Jeden Nachmittag hebt der 19-jährige
Ruderer vom RV Esslingen sein Boot, mit dem er kürzlich zum zweiten Mal in
Folge deutscher Sprint-Meister geworden ist, vom Haken in der Halle auf der
Neckarinsel, stemmt es über den Kopf und trägt es ins Freie - kein Problem
für den muskelbepackten Ebersbacher. Dann geht ' s gemeinsam raus zum Trainieren
auf den Neckar, vier Kilometer hinauf bis nach Deizisau und wieder zurück.
Und wenn das Wetter passt, dann sogar gleich zwei Mal hintereinander. Dass
das Wetter in den vergangenen Tagen gepasst hat, sieht man der Gesichtsfarbe
des Sportlers deutlich an.
Auf Kraft, Technik und Ausdauer komme es beim Rudern an. Doch entscheidend sei auch das richtige „Bootsgefühl“, so Eberhardt.
„In dem schmalen Boot ist es ziemlich kippelig, da braucht man Balance.“
Der deutsche Sprint-Meister Florian Eberhardt vom RV Esslingen weiß, worauf es beim Rudern ankommt
Und vom Spaß am Rudern zeugen die leuchtenden Augen, wenn der Gymnasiast von
seinem Sport berichtet. Erst recht, wenn es um die deutschen Sprint-Meisterschaften
Anfang des Monats in Krefeld geht. Wie schon 2006 in Essen war er im Einer
erneut der Schnellste. „Dass ich das zum zweiten Mal geschafft habe, ist schon
toll“, sagt der Athlet, zumal er im Gegensatz zum Vorjahr nicht so unbelastet
auf die 430-Meter-Strecke gegangen sei: „Ich habe eine gewisse Erwartungshaltung
gespürt.“ Und der daraus resultierende Druck machte ihn so nervös, dass er
die direkte Qualifikation für das Finale verpasste und erst noch in den Hoffnungslauf
musste. Den gewann er schließlich - genau wie das Rennen der besten Sechs.
Diese beiden Titel sind die größten Erfolge des Ebersbachers in seiner sportlichen
Laufbahn, in der er schon einiges ausprobiert hat. Zunächst versuchte sich
Eberhardt beim Handball, wechselte dann zum Kunstradfahren und später zum
Radball. Als Zwölfjähriger landete er schließlich im Ruderboot. Beim Pfingstlager
des RVE fing er für den Sport, den sein Vater damals schon betrieb, Feuer.
„Man ist draußen in der Natur und es ist einfach ein schönes Gefühl, auf dem
Wasser zu sein“, begründet er. 
Kraft, Technik und Ausdauer
Die muss er auch finden, wenn es um die Gewichtung von Schule und Sport geht. Im nächsten Jahr steht das Abitur an.
„Mir ist beides wichtig, aber Schule hat schon Vorrang“, meint der Schüler der 13. Klasse des Gymnasiums in Zell. Denn
er ist sich bewusst: „Mit Rudern lässt sich kein Geld verdienen.“ Dennoch schnupperte er kürzlich bei der Weltelite mal
etwas Wettkampf-Luft. Bei den Weltmeisterschaften im August in München war er als Helfer in der Zeitnahme eingesetzt.
Doch Ambitionen, dort auch mal am Start zu sein, hat Eberhardt nicht. „Da muss man noch härter trainieren und außerdem ein
ziemliches Tier sein“, erklärt er und lächelt verschmitzt. Für diese Saison ist zumindest erst mal Schluss. Bis zur nächsten
Regatta im Frühjahr steht jetzt vor allem Krafttraining auf dem Programm - und Pauken fürs Abi.