Auf der Donau  -  im Lande der Bajuwaren

            AH-Fahrt vom 27. bzw. 29.05. – 01.06.03

 

Die Donau, die zu den längsten Flüssen Europa gehört, entspringt auf der Ostseite des südlichen Schwarzwaldes und mündet nach 2850 km in das Schwarze Meer. Wir rudern auf diesem Strom 231  km von Günzburg (bzw. Neuburg) nach Straubing. Der Reiz dieses Flusses auf dieser Strecke durch Niederbayern spricht nicht nur die Esslinger, sondern auch die Ruderer aus Ratzeburg an.

 

Die Donau ist seit einigen Jahren staureguliert und erreicht hierbei stellenweise eine Breite von mehr als 300 m (kleine Seen). Trotzdem können flotte Fließgeschwindigkeiten (vor allem hinter den Wehren) auftreten. Meist gehen sie bis zur nächsten Schleuse wieder auf Null zurück. Mit Ausnahme des Donaudurchbruchs (von Weltenburg bis Kelheim) gibt es von Ulm abwärts bis zur Bundeswasserstraße keine Berufsschifffahrt und auch keine Motorboote. Auf diesen Etappen können wir die Natur und vor allem die Stille pur genießen. Im oberen Bereich begegnen wir nur selten Ortschaften am Ufer. Der bekannte Donau-Radweg führt lange Strecken am Ufer entlang.

 

 

Teilnehmer aus Esslingen und Ratzeburg

 

In diesem Jahr laden die Esslinger Wanderruderer ihre Kameraden aus Ratzeburg zu ihrer traditionellen AH-Fahrt ein. Den Norddeutschen soll ein landschaftlich beson-ders reizvolles Ruderrevier gezeigt werden. Die Ausschreibung findet mit 20 Anmel-dungen eine große Resonanz.

 

Teilnehmer:

 

Baier, Fritz

Beh, Uli

Eberhardt, Hans-J.

Füssenhäuser, Albrecht

Freisler, Bernh.

Glaser, Ulrich

Kleemann, Heinz

Köster, Horst          RRC

Kötter, Mathias

Luidhardt,Peter

Mayer, Wolfgang

Merthan, Manfred

Paul, Rolf

Schiller, Friedr.

Schroth, Günther

Strehler, Wolfram

Strutz, Manfred

Stybalkowski,R.

Tilsen, Horst RRC 

Trelenberg, Johan. RRC

 

Der Landdienst setzt sich jeweils aus 1-3 Personen zusammen (mit meist halbtägigem Wechsel).

 

Unser „Kapitän“ ist - wie seither – Fritz Baier; sein Stellvertreter ist Uli Beh. Fritz Baier hat in vorbildlicher Weise die Fahrtunterlagen zusammengestellt. Bei der Fahrtvorbereitung (z. B. Quartierbestellung vor Ort, Streckenplanung) unterstützte ihn Manfred Strutz.

 

11 Teilnehmer starten die Tour von Günzburg (6 Tage) und die restlichen 9 Kameraden vervollständigen die Mannschaft ab Neuburg (4 Tage).

 

 

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Günzburg ist Startplatz

 

In Günzburg tischt uns Gabi C., die Tochter unseres FL’s, am Flussufer vor dem Start warmen Leberkäse mit Brezeln und Laugenbrötchen auf. So gestärkt über-winden wir die ersten 4 Schleusen am Vormittag. Das Donautal zeigt sich für uns Flusswanderer schon zu Fahrtbeginn sehr anschaulich. Wir rudern durch eine einsam erscheinende Naturlandschaft und an bewaldeten Jura-Hängen vorbei.

 

Am Kanuclub Dillingen legen wir eine kurze Mittagsrast ein und vertilgen die Frühstücksreste. Die Wirtin der Vereinsgaststätte probiert unser dunkles, naturtrübes Bier („Barfüßler“), was ihr sichtlich mundet. Wolfgang Mayer berichtet über kulturelle Besonderheiten von Lauingen und über den damaligen Bau der ersten Atomkraft-werke in dieser Region. Die Boote legen wir am Spätnachmittag oberhalb der über-nächsten Schleuse in Schwennigen ab.

 

Im Biergarten unserer Übernachtungsstätte in Donauwörth-Wörnitzstein lädt uns die Fahrtenkasse zum gemeinsamen Umtrunk ein. Bis Kelheim finden wir besonders idyllische Flussabschnitte vor. Die Donau fließt anfangs weniger schnell; nach Donauwörth strömt sie etwas stärker.

 

Streckenplanung:

 

Tag

von

nach

Staustufen

km

1

Günzburg

Schwenningen

5

38

2

Schwenningen

Neuburg

4

46

3

Neuburg

Neustadt

3

44

4

Neustadt

Matting

1

39

5

Matting

Geisling

3

39

6

Geisling

Straubing

1

25

 

Insgesamt müssen wir mit 14 Boots- bzw. 1 Großschifffahrtsschleuse, 1 Bootsgasse und 1 x mit Bootstransportwagen die Staustufen überwinden.

 

Boote:    Schwaben II, Helene Biedenbach, Faifegrädler (alle Vierer) und                 

                 Staffelsteiger (Dreier).

 

Transportfahrzeuge:   2 Kleinbusse als Zugfahrzeuge für Bootswagen und    

                                          Wohnwagen sowie 1 Privat-PKW.

 

Der nächste Morgen begrüsst uns unfreundlich. Noch vor dem Einsetzen der Boote gießt es wie aus Kannen. Nach einer kurzen Überlegungspause entschließen wir uns zum Aufbruch, denn es scheint ein Dauerregen zu werden. Nach der Schleuse Donauwörth mündet wenig später die Wörnitz in die Donau. Der Himmel wird nun heller und heller; der Regen hört auf und die ersten Sonnenstrahlen durchbrechen die Wolken. Unser Mittagspicknick nehmen wir am Ufer einer kleinen Bucht ein. Wir legen unsere nasse Kleidung zum Trocken aus und tatsächlich trocknet sie erstaunlich schnell.

 

 

Idyllisches Neuburg

 

Nach den Schleusen in Bertoldheim und Bittenbrunn gibt es sogar Strömung. Beim Anlegen beim Donau-Ruderclub Neuburg, der jetzt ein reiner Kanuclub ist, müssen die Steuerleute der beiden Vierer Geschick beweisen, gegen die starke Strömung den Bootssteg zu erreichen. Uns wird ein spezieller Lagerplatz für die Boote zuge-wiesen. Dann befreien wir die Boote innen und außen vom groben Schmutz.

 

In der Oberstadt von Neuburg liegt unser „denkmalgeschütztes“ Hotel „Zur blauen Traube“. Es hieß früher „Heiliger St. Georg“ (1701 errichtet). Die Fassade wirkt museumsreif. Die Zimmer sind einfach, aber sehr sauber. Vor dem Hotel erwartet uns Horst Tilsen aus Ratzeburg und läßt gleich eine Runde springen.

 

In zwei Kleingruppen bummeln wir durch die Innenstadt. Ein befestigter Übergang über die Donau war ehemals die Keimzelle von Neuburg. Die ursprüngliche Brücken-siedlung besitzt eine alte Burg. Um die Mitte des 16. Jahrh. wurde Neuburg Residenz der Fürsten von der Pfalz; seit 1777 kam es zu Bayern. Der größte Teil des heutigen Renaissance-Schlosses entstand 1530 – 45. Wir kehren recht bald wieder in die Straßenwirtschaft unserer Übernachtungsstätte zurück.

 

 

Himmelfahrt-Feiertag = Vatertag !

 

Am Vatertag (Himmelfahrt) treffen die restlichen 8 Ruderer ein. Die zusätzlichen Boote werden aufgeriggert. Nun ist unser Konvoi komplett (4 Boote). In den Sport-bootschleusen können entweder 2 oder später sogar 4 Boote zusammen schleusen (automatischer Betrieb). Auf die hungrigen „Kämpfer“ wartet ein Mittagsvesper, das die „neuen“ Ruderer mitbrachten. Horst Tilsen vom RRC muss wegen starker Ver-krampfungen die Fahrt abbrechen. Unser Doc., Manfred Merthan, fährt mit ihm ins Krankenhaus von Ingolstadt zum EKG. Von dort muss er leider die Heimreise antreten. Wir anderen lassen uns in der Fluss-Strömung  einige Kilometer lang bis kurz vor Eining treiben. Ab hier bis ca. 7 km unterhalb liegt ein großer Wasser-Übungsplatz der Bundeswehr direkt am Ufer. Gottlob ist die Donau diesmal wegen Manövern nicht gesperrt..

 

In Neustadt stellen wir fest, dass die Schlüssel für die Fahrzeuge im zweiten Bus zurückblieben, so dass wir den Weg zur Pension zu Fuß zurücklegen müssen. Unsere „Camper“ dürfen den Wohnwagen auf dem Gelände des (wegen Urlaub geschlossenen) Hotels stationieren. Im neu eröffneten Biergarten gegenüber genie-ßen wir die sommerliche Witterung; unsere Stimmung steigt sogleich steil an. Doch um 23 Uhr ist plötzlich „Zapfenstreich“ (wegen Nachtruhe für die Nachbarn).

 

 

Im Kloster Weltenburg; Donaudurchbruch

 

Der nächste Tag bietet wieder hohe Hitzegrade. Wir finden nach gut einer Stunde Erquickung in der Garten-Schenke des berühmten Klosters Weltenburg. Einige von uns werfen einen schnellen Blick in die Barockkirche St. Georg und St. Martin, die zur Zeit restauriert wird. Sie gehört zu den großartigen Barockkirchen Deutschlands (1716-18). Der Hochaltar (1722-24) zeigt St. Georg zu Pferde im Kampf gegen den Drachen.

 

Die Fahrtenkasse lädt uns zum großen Weißwurstessen mit Brezeln und dunklem Klosterbräu ein. Die beiden jungen, humorvollen Serviererinnen haben alle Hände voll zu tun, um uns zu verköstigen. Hier treffen wir zum Teil uns bekannte Ruder-kameraden aus Regensburg.

 

Nun folgt ein besonders imposanter Flußabschnitt: der Donaudurchbruch. Die etwas höheren Wellen und die schnellere Strömung machen uns keine Schwierig-keiten. Da Heinz diese Strecke schon mehrmals durchruderte, fährt er als (noch nüchterner) LD mit dem Kleinbus bis zur Bootsgasse nach Bad Abbach.

 

In Kelheim grüßt uns von oben die Befreiungshalle. Auf dem 100 m hohen Michelsberg, dem Platz einer alten keltischen Kultstätte, ist der 45 m hohe Monumentalbau errichtet worden. Er soll an die Freiheitskriege 1813-15 gegen Napoleon erinnern und wurde unter Ludwig I von Bayern 1836 errichtet. Hier mündet der Main-Donau-Kanal (alter Kaiser-Ludwig-Kanal), als kanalisierte Altmühl in die Donau und der bisher ruhige Fluß wird zur Bundeswasserstraße.

 

Die Staustufe Bad Abbach bewältigen wir über die Bootsgasse mit „Wasser-spülung“, erst einmal kritisch beäugt, dann werden die Boote an den Bug- und Heckleinen geführt und im kurzen Sprint ins Unterwasser geführt.

 

In Matting finden wir  vor der Fähre sogar eine kleine Sandbucht zum Herausneh-men der Boote vor. Kleine Kinder baden hier vergnügt. Wenig später sitzen wir im Garten unseres Nachtquartiers in Pfatter bei einem oder mehreren „kühlen Blonden“ (von der spritzigen Junior-Chefin serviert). Da Wolfgang M. diesmal kein Einzel-zimmer mehr zur Verfügung hat, ruft er lautstark: „Wer hat noch keinen Beischläfer?“. Die Hausgäste reagieren etwas verwundert.

 

 

„Als wir jüngst in Regensburg waren ...“

 

Pünktlicher Start vom sehr empfehlenswerten Landgasthof „Hotel Fischer“ in Pfatter. Nur wenige km sind es bis zu den an der Seilfähre Matting gelagerten Booten. Bei guter Strömung geht es an Sinzing und den Jura-Höhenzügen vorbei. Nach 8 km bei Mariaort mündet die Naab, nach weiteren 2 km folgen die beiden Regensburger Rudervereine und schon  erreichen wir Regensburg, die alte Kelten- und Römer-siedlung. Heute ist sie Hauptstadt der Oberpfalz mit ihrer bekannten Universität. Den Besuch heben wir uns für den Abend auf. Die „Steinerne Brücke“ (1135 – 46, im Mittelalter ein technisches Wunder, von 310 m Länge mit 16 Bögen und Spannweiten zwischen 10 ,4 und 16,7 m) durchfahren wir - trotz der gefürchteten Strudel (Kehr-strömung) – zügig und problemlos.

 

Die Fahrt geht durch reizvolle Landschaft bis zur Straßenbrücke Donaustauf, wo uns in Angesicht der Walhalla der Landdienst zur Stärkung erwartet. König Ludwig I von Bayern ließ die Ruhmeshalle 1830 – 42 durch Leo von Klenze als dorischen Säulentempel ca. 100 m über der Donau errichten. Über 120 Geistesgrößen sind hier als Mamorbüsten geehrt. Zwischenzeitlich ziehen dunkle Wolken auf, es blitzt und donnert in der Ferne. Zusätzlich berichtet ein Einheimischer von einer Unwetter-, Hagelwarnung, so dass wir es vorziehen abzuwarten. Nach über einer Stunde gehen wir doch aufs Wasser und werden etwas nass, kurz bevor wir den Tagesendpunkt Geisling erreichen. Später erfahren wir, dass die Unwetterwarnung für den Bodensee und Umgebung galt. Mit zwei gut intakten Bootswagen befördern wir die Boote ans Unterwasser, begleitet von einer neugierigen Graugans, die nicht von unserer Seite weicht. Nun geht es wieder nach Pfatter. Duschen, Abendessen und für einem Teil der Mannschaft folgt ein Kulturprogramm in Regensburg: Rundgang durch die Altstadt unter sachkundiger Führung von Wolfgang. Besuch der barocken Marienkapelle, des Doms St. Peter mit den einmaligen Bleiglasfenstern aus dem 12.- 13. Jahrhundert. Wir bestaunen auch die Geschlechterhäuser der alten Patrizierfamilien und genießen den abendlichen Flair dieser historischen Stadt.

 

Heinz muss an diesem Tag eine „Auszeit“ für die Teilnahme an einer Trauerfeier eines Verwandten nehmen. Als er ohne (angebotenen) Kuchen vom Leichen-schmaus zurückkehrt, wird er deshalb mächtig verhöhnt.

 

 

Von Geisling bis Straubing

 

Am Stauwerk Geisling müssen wir die Boote mit einem Bootswagen umsetzen. Am letzten Rudertag sind nur noch rd. 25 km zu meisten. Dabei erleben wir – verursacht durch ein größeres Frachtschiff - ein Wellenreiten, das sich immer wieder durch höhere Wellen wiederholt. Schließlich gleiten wir am sog. Ökologiegebiet „Oberauer Schleife“ (frühere Donauschleife) vorbei. 2-3 Donau-Inseln sind davor mit unzähligen Möwen besetzt, die durch uns beim Brüten (laut) aufgeschreckt werden. Wir fühlen uns an den Hitchcockfilm „Die Vögel“ erinnert.

 

Zuletzt ist von uns die Schleuse für die Großschifffahrt (mit Motorbooten und Kanus) in Straubing zu nehmen, da für Sportboote noch keine andere Möglichkeiten bestehen. Erst in späteren Jahren ist der Bau einer Bootsschleuse vorgesehen. Im schattigen Garten des RC Straubing erwartet uns ein „Abschlussdinner“ mit Essensresten (z. T. aus der Kühltasche). Danach werden die Boote abgeriggert und verladen. Die Ratzeburger Ruderer verabschieden sich hier. Wir vereinbaren ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Dann soll es (wieder gemeinsam) auf Fulda und Weser gehen.

 

 

Heinz Kleemann & Johannes Trelenberg